Der Mr. Gay World Wettbewerb ist lange vorbei. Und Sadiq Ali hat nicht gewonnen. Aber mindestens einer der Kandidaten ist froh, trotzdem dabei gewesen zu sein: Sadiq Ali, der amtierende Mr. Gay Great Britain konnte sein ganz eigene Geschichte einem weltweiten Publikum vorstellen, und findet, allein dafür hat sich dafür die Teilnahme schon gelohnt. Seine Geschichte geht so: 2013 lief in Großbritannien eine der ersten Studien zur Wirksamkeit der Post-Expositions-Prophylaxe, kurz PrEP. Die Studie war sehr erfolgreich und half zu beweisen, dass PrEP ein hochwirksames Mittel zum Schutz gegen HIV ist. Trotzdem war es schwierig, Probanden für die Studie zu finden. Gesucht wurden schwule Männer mit unterschiedlichen Safer Sex-Erfahrungen. Sadiq überlegte lange, ob er an der Studie teilnehmen sollte. Er hatte Angst davor, was andere Menschen denken würden, die davon hörten, fürchtete sich vor dem, was sie über sein Sexualverhalten denken könnten. Das Stigma war zu viel für ihn, er entschied sich gegen die Teilnahme an der Studie.

Er wurde zu einem Aktivisten, der nicht nur für die Einführung von PrEP kämpft, sondern sich auch gegen die Stigmatisierung von Positiven einsetzt.

„Ich schämte mich schon dafür, dass mir diese Lösung überhaupt angeboten wurde, obwohl ich kaum etwas darüber wusste“, sagt Sadiq heute. „Ich dachte, dass nur sehr promiske Männer, die viel riskanten Sex haben, sowas nehmen würden. Ich dachte, ich wäre eine Schlampe, wenn ich PrEP wollen würde. Ich war einfach sehr naiv damals.“ Nach ein paar Monaten hatte er sich durch seine Ängste und Vorurteile gearbeitet und beschloss, doch an der Studie teilzunehmen. Da war es leider schon zu spät. Nur wenige Tage bevor er die erste PrEP-Pille einnahm, hatte er sich mit HIV infiziert. Sein erster Test im Rahmen der Studie 2014 kam zu diesem Ergebnis. „Ich dachte, wenn ich PrEP nehmen würde, würde mich das zu einem Menschen machen, der ich nicht sein wollte. Aber es nicht zu nehmen hat stattdessen dazu beigetragen, dass ich mich mit HIV infiziert habe.“ Er wurde zu einem Aktivisten, der nicht nur für die Einführung von PrEP kämpft, sondern sich auch gegen die Stigmatisierung von Positiven einsetzt. Die britische Politik sieht das im Moment anders. Vor zwei Wochen entschieden sich die Gesundheitsbehörden in Großbritannien dagegen, PrEP auf breiter Basis einzuführen.

Der Virus schränkt mich nicht körperlich ein, aber ich könnte jetzt hier auch stehen und negativ sein, wenn ich rechtzeitig PrEP bekommen hätte.

Im vergangenen Jahr gewann Sadiq den Mr. Gay Britain-Wettbewerb und beschloss, seine Kampagne für den Mr. Gay World dafür zu nutzen, sich gegen HIV-Stigma und für die PrEP als neues Instrument gegen HIV einzusetzen. „Der Virus schränkt mich nicht körperlich ein, aber ich könnte jetzt hier auch stehen und negativ sein, wenn ich rechtzeitig PrEP bekommen hätte.“ Genau diese Nachricht ist es, die er in seinem Bewerbungsvideo rüberbringt. „Mir wurde eine Last von den Schultern genommen, als ich das Video gedreht hatte. Ich kann Menschen helfen, indem ich sie informiere“, sagt er. „Soviel Unterstützung aus der Community zu bekommen, wie ich sie in den letzten Wochen bekommen habe, ist ein tolles Gefühl. Ich bin so motiviert und so stolz auf meine Arbeit wie nie zuvor, weil ich weiß, dass ich das Richtige tue.“ Wer von Sadiqs Aktivismus nicht beeindruckt ist, gibt ihm vielleicht eine Chance, weil er so hübsch anzusehen ist, auch ganz ohne Titel.

Bild: Mr. Gay World/Twitter

Hier Sadiqs Bewerbungsvideo:

Und hier ein längeres Interview mit Sadiq von Greg Owen, einem britischen Blogger und HIV-Aktivisten, in Sadiqs Zirkusschule: