Florian ist 36 Jahre alt und lebt in Berlin. Der ehemalige Chemie-Laborant ist heute Therapeut für alternative Medizin, Saunameister in der Berliner Szene Location „Boiler“ und Rollenmodell zum Thema Hepatitis bei der  ICH WEISS WAS ICH TU‘-Kampagne. www.iwwit.de. Mit Mplus hat er über seine Erfahrungen mit verschiedenen Sexdrogen gesprochen.

Wann hast du zum ersten Mal Drogen genommen?
Angefangen habe ich mit 21. Da habe ich beim Feiern das erste Mal Ecstasy genommen. Es dauerte eine Weile, bis ich wirklich entspannt damit umgehen konnte. Ich hatte über die Szene Kontakt zu Drogen, hatte aber am Anfang eher Sex auf Drogen, weil man Tanzen war und eine Restwirkung hatte. Darüber hat sich mein Konsum entwickelt. Wenn du jung und hübsch bist, musst du dir deine Drogen auch nicht selbst kaufen, du bekommst einfach oft welche angeboten.

Wann hast du zuerst Drogen gekauft?
So mit 27. Da wollte ich nicht mehr schnorren. Dadurch ergab es sich, dass beim Heimkommen ab und an noch Drogen übrig waren. Und dann nimmt man vor dem Sex ein bisschen Speed oder MDMA, und das macht es schöner. Dieser Prozess dauerte mehrere Jahre.

Waren Sex und Drogen gekoppelt?
Ausgehen und Drogen nehmen waren miteinander verknüpft. Und wenn man Drogen nimmt, wird man geil und schleppt Leute ab und hat dann geilen Sex, Drogen inklusive. Meine Sexualität wurde in diesem Zeitraum auch ziemlich vom Feiern bestimmt.

Hat dein Konsum sich im Laufe der Zeit gesteigert?
Du erweiterst deine Erfahrungen mit der Zeit. Erst Speed, dann Koks, dann Amphetamine. Obwohl ich mit neuen Sachen immer sehr vorsichtig war und mir angeguckt habe, was das mit anderen macht. Ich wollte mich einfach sicher fühlen, über mögliche körperliche Abhängigkeiten Bescheid wissen, entspannt konsumieren können. Bestimmte Sachen, wie Heroin, hab ich nie ausprobiert, ganz bewusst.

Gab‘s auch negative Erfahrungen?
Klar. GHB war nie meins. Ich habe drei Freunde dadurch verloren. Und auf Gras oder Haschisch rauchen reagiere ich körperlich nicht so gut (lacht).

Ich bin da also hin und der hatte das und hat es geslamt, also sich gespritzt. Er hat mir das angeboten und meine Neugierde hat gesiegt. Ich hatte frei, Zeit und wollte das ausprobieren.

Erzählst du mir von deiner ersten Begegnung mit Crystal?
Das war ziemlich krass. Ich war ungefähr 24 und hatte an einem Donnerstag oder Freitag ein Sexdate ausgemacht. Da hatte ich schon Erfahrungen mit Drogen. Crystal war damals noch sehr undergroundig. Ich bin da also hin und der hatte das und hat es geslamt, also sich gespritzt. Er hat mir das angeboten und meine Neugierde hat gesiegt. Ich hatte frei, Zeit und wollte das ausprobieren. Und ich muss sagen, das Gefühl war unglaublich. Ein Feuerwerk vom Steiß über die Wirbelsäule in den Kopf. Ich saß 20 Minuten erstmal nur auf dem Sofa und dachte: „Was ist denn hier los?“. Was dann schnell umschlug. Der Typ war nicht unbedingt wunderschön, aber ich wurde dann so geil, dass wir vier Stunden heftigsten, relativ rücksichtslosen Sex hatten. Und insgesamt war das ein tolles Date. Ich hatte aber nicht das Gefühl, das jetzt unbedingt sofort wiederholen zu müssen. Eine wirklich gute Erfahrung, mehr nicht. Mir ist klar, dass das nicht der Schnitt ist und es vielen Usern anders geht.

Würdest du sagen, du hast Glück gehabt?
Nein. Ich glaube, mein Beruf als Laborant war da sehr hilfreich. Ich war den Umgang mit medizinischen Drogen ja gewöhnt, wusste, was die mit Zellkulturen oder in Tierversuchen machen und was ich mir eventuell antun könnte. Ich war damals auch viel im Fitnessstudio und habe sehr auf meine Gesundheit geachtet. Das war mir einfach wichtig.

Diese Dinge haben immer dazu beigetragen, dass ich eher kontrolliert und bewusst konsumiert habe, und selten Phasen hatte, wo ich mehr genommen habe, als mir gut tut.

Ist das nicht mehr so?
Doch, aber ich lerne gerade dazu, befinde mich in der Ausbildung zum Heilpraktiker, Meditations-Therapeuten und Psychotherapeuten. Und bin spirituell ganz anders aufgestellt als damals. Diese Dinge haben immer dazu beigetragen, dass ich eher kontrolliert und bewusst konsumiert habe, und selten Phasen hatte, wo ich mehr genommen habe, als mir gut tut. Dann ist mir aber auch schlecht geworden oder ich bin auf der Tanzfläche umgekippt. Was ich dazu benutzt habe, gründlich zu hinterfragen, ob das, was ich tue, mir gut tut. Und ich habe Freunden Bescheid gesagt, dass sie auf mich achten.

Konsumierst du im Moment noch? 
Nicht mehr so wie damals. Erstens ist mir der Jetlag danach das Erlebnis oft nicht wert. Und zweitens hab ich auch die Feiercrew von damals nicht mehr. Der Konsum ist in der Szene insgesamt schon härter geworden. Und ich habe in der Selbstbeobachtung auch gelernt, meine Grenzen zu erkennen, zu setzen und einzuhalten. Sex ohne Drogen macht mir inzwischen mehr Spaß, weil er einfach „persönlich näher“, intimer und dadurch intensiver ist.

Foto: iwwit.de